A/B-Tests für Makler-Websites: Mehr Verkäufer-Leads



Ein Immobilienmakler änderte die Überschrift seiner Bewertungsseite, ergänzte mehrere neue Schaltflächen und kürzte gleichzeitig das Formular. Danach kamen mehr Anfragen – doch welche Änderung hatte tatsächlich geholfen? Weil alles auf einmal angepasst wurde, blieb die entscheidende Frage unbeantwortet.
Genau hier setzen A/B-Tests für Makler-Websites an. Statt Website-Elemente nach Geschmack zu verändern, vergleichen Sie zwei Varianten unter möglichst ähnlichen Bedingungen. So erkennen Sie Schritt für Schritt, welche Formulierungen, Vertrauenselemente und Handlungsaufforderungen mehr qualifizierte Verkäufer-Leads erzeugen.
Was ist ein A/B-Test auf einer Makler-Website?
Bei einem A/B-Test sehen Besucher entweder die bisherige Variante A oder eine veränderte Variante B. Anschließend vergleichen Sie, welche Version das gewünschte Ziel häufiger erreicht – beispielsweise den Start einer Online-Immobilienbewertung oder das Absenden einer Anfrage.
Wichtig ist, dass sich die Varianten möglichst nur in einem wesentlichen Punkt unterscheiden. Nur dann lässt sich ein Ergebnis sinnvoll auf die getestete Änderung zurückführen.
Typische Testelemente sind:
- eine konkrete statt einer allgemeinen Überschrift
- unterschiedliche Beschriftungen eines Call-to-Action
- die Position der Online-Immobilienbewertung
- ein kurzes Kundenstatement neben dem Formular
- eine kompaktere Darstellung auf mobilen Gerätenn Ein A/B-Test ist damit kein einmaliger Website-Relaunch. Er ist eine kontrollierte Methode, mit der Sie Ihre Makler-Website kontinuierlich anhand des tatsächlichen Nutzerverhaltens verbessern.
Warum Bauchgefühl allein nicht ausreicht
Makler kennen ihren lokalen Markt sehr gut. Website-Besucher verhalten sich jedoch nicht immer so, wie interne Teams, Agenturen oder erfahrene Vertriebsmitarbeiter erwarten. Eine seriös wirkende Formulierung kann zu abstrakt sein, während eine vermeintlich kleine Änderung den nächsten Schritt deutlich verständlicher macht.
Hinzu kommt: Sie selbst betrachten Ihre Website mit Fachwissen und Vorwissen. Ein Eigentümer besucht sie möglicherweise zum ersten Mal, kennt Ihre Leistungen noch nicht und möchte zunächst nur eine unverbindliche Orientierung.
A/B-Tests helfen Ihnen deshalb, Annahmen zu überprüfen:
- Verstehen Besucher sofort, welchen Nutzen die Seite bietet?
- Ist der nächste Schritt eindeutig erkennbar?
- Baut die Seite vor der Datenabfrage genügend Vertrauen auf?
- Funktioniert die Darstellung auch auf dem Smartphone?
- Entstehen nur mehr Anfragen oder auch passendere Kontakte?
Das Ziel ist nicht, jede Designentscheidung zu testen. Konzentrieren Sie sich auf Elemente, die den Weg zum Verkäuferkontakt unmittelbar beeinflussen.
Die richtigen Ziele für Ihren A/B-Test
Bevor Sie Varianten entwerfen, benötigen Sie ein klares Ziel. Eine pauschale Kennzahl wie „mehr Interaktion“ ist dafür zu ungenau. Definieren Sie stattdessen eine konkrete Handlung, die zu Ihrem Akquiseprozess passt.
Für eine Makler-Website kommen mehrere Ziele infrage:
- Startquote: Wie viele Besucher beginnen die Immobilienbewertung?
- Abschlussquote: Wie viele gestartete Bewertungen werden vollständig abgeschlossen?
- Kontaktquote: Wie viele Besucher übermitteln ihre Kontaktdaten?
- Terminquote: Wie viele Leads führen zu einem vereinbarten Gespräch?
- Qualitätsquote: Wie viele Kontakte passen zu Ihrem Gebiet und Leistungsangebot?
Die Kontaktquote allein kann irreführend sein. Eine besonders offensive Variante erzeugt möglicherweise mehr Formulareingänge, aber gleichzeitig mehr unpassende oder wenig motivierte Kontakte. Beziehen Sie deshalb nachgelagerte Kennzahlen ein; der Artikel zu den wichtigsten Lead-KPIs für Immobilienmakler zeigt dafür geeignete Messgrößen.
Welche Elemente sollten Makler zuerst testen?
Nicht jeder Test hat das gleiche Potenzial. Beginnen Sie dort, wo viele Besucher vorbeikommen und eine Änderung den nächsten Schritt direkt beeinflussen kann. Kleine Farbdetails sind meist weniger relevant als Nutzenversprechen, Platzierung oder Verständlichkeit.
1. Das Nutzenversprechen der Überschrift
Die Überschrift entscheidet, ob Eigentümer innerhalb weniger Sekunden verstehen, was sie auf der Seite erhalten. Testen Sie keine bloßen Synonyme, sondern klar unterscheidbare Nutzenargumente.
Mögliche Testrichtungen sind:
- schnelle erste Preiseinschätzung statt allgemeiner Beratung
- lokale Marktkenntnis statt überregionaler Leistungsbeschreibung
- unverbindliche Orientierung statt unmittelbarer Verkaufsaufforderung
- konkreter regionaler Bezug statt austauschbarer Aussage
Beide Varianten sollten sachlich bleiben und keine unrealistischen Ergebnisse versprechen. Vertrauen ist für einen späteren Maklerauftrag wertvoller als ein kurzfristiger Klick.
2. Den Call-to-Action
Nach der Überschrift folgt der nächste logische Hebel: die Handlungsaufforderung. Ein guter Call-to-Action beschreibt verständlich, was nach dem Klick geschieht, und passt zum Informationsstand des Eigentümers.
Sie können beispielsweise unterschiedliche Ausrichtungen vergleichen:
- ergebnisorientiert: erste Werteinschätzung erhalten
- handlungsorientiert: Immobilie jetzt bewerten
- niedrigschwellig: Bewertung unverbindlich starten
Verändern Sie im selben Test nicht zusätzlich Farbe, Position und Seitentext. Andernfalls wissen Sie erneut nicht, welcher Faktor das Ergebnis beeinflusst hat.
3. Vertrauenselemente am Entscheidungspunkt
Eigentümer geben Immobilien- und Kontaktdaten nicht leichtfertig ein. Ein passendes Vertrauenselement unmittelbar vor oder neben der Eingabe kann Unsicherheit reduzieren, sofern es glaubwürdig und konkret ist.
Testbar sind unter anderem:
- ein kurzes, echtes Kundenstatement
- die Anzahl nachweisbarer Bewertungen
- ein persönliches Foto des zuständigen Maklers
- ein Hinweis auf Ihre regionale Spezialisierung
- eine knappe Erklärung zum weiteren Ablauf
Platzieren Sie nicht sämtliche Nachweise gleichzeitig. Eine überladene Seite lenkt vom eigentlichen nächsten Schritt ab und erschwert zudem die Auswertung.
4. Reihenfolge und Länge der Inhalte
Manche Eigentümer möchten sofort starten, andere benötigen zunächst Orientierung. Testen Sie daher, ob Ihre Zielgruppe besser auf einen direkten Einstieg oder eine kurze Erklärung vor der Bewertung reagiert.
Eine sinnvolle Variante B könnte etwa nur drei kompakte Fragen vor dem sichtbaren Bewertungsbereich beantworten: Was erhalte ich, wie lange dauert es und was passiert anschließend? Anregungen für die grundlegenden Inhalte finden Sie im Leitfaden zur perfekten Bewertungsseite für Makler-Websites.
5. Die mobile Darstellung
Viele Eigentümer erreichen Makler-Websites über ein Smartphone. Ein Element, das am Desktop überzeugend aussieht, kann mobil zu weit unten stehen, schwer bedienbar sein oder durch andere Inhalte verdrängt werden.
Prüfen und testen Sie deshalb gezielt:
- Sichtbarkeit des ersten Call-to-Action
- Abstände und Bedienbarkeit der Eingabefelder
- Umfang der Inhalte vor dem Bewertungsstart
- Lesbarkeit von Vertrauenselementen
- unnötige Ablenkungen im oberen Seitenbereich
Mobile Besucher sollten nicht als Nebenfall behandelt werden. Werten Sie Ergebnisse nach Gerätetyp aus, sofern genügend Besuche für einen sinnvollen Vergleich vorhanden sind.
A/B-Tests in sechs Schritten planen
Nachdem Ziel und Testbereich feststehen, braucht es einen einfachen, wiederholbaren Ablauf. Ohne feste Dokumentation entstehen schnell spontane Änderungen, die später weder nachvollziehbar noch vergleichbar sind.
1. Ausgangslage festhalten
Dokumentieren Sie zunächst den aktuellen Zustand. Notieren Sie Besucherzahl, Conversion-Rate, Zeitraum und Qualität der eingehenden Leads. Berücksichtigen Sie bekannte Besonderheiten wie laufende Werbekampagnen oder saisonale Schwankungen.
2. Eine Hypothese formulieren
Eine gute Hypothese verbindet Änderung, erwartete Wirkung und Begründung. Sie könnte lauten: „Wenn wir den unverbindlichen Charakter bereits im Call-to-Action verdeutlichen, starten mehr Eigentümer die Bewertung, weil die wahrgenommene Hürde sinkt.“
3. Nur eine Hauptänderung umsetzen
Variante B sollte sich in dem Element unterscheiden, das Ihre Hypothese betrifft. Vermeiden Sie parallel einen neuen Aufbau, andere Bilder und ein zusätzliches Formularfeld.
4. Varianten unter vergleichbaren Bedingungen zeigen
Beide Versionen sollten im gleichen Zeitraum und für ähnliche Besuchergruppen laufen. Ein Vergleich zwischen einem ruhigen Ferienmonat und einer Phase mit intensiver Werbekampagne liefert kaum belastbare Hinweise.
5. Nicht zu früh abbrechen
Ein Vorsprung nach wenigen Besuchen kann Zufall sein. Lassen Sie den Test lange genug laufen, um typische Schwankungen abzubilden. Bei Websites mit wenig Traffic ist Geduld besonders wichtig; sammeln Sie lieber über einen längeren Zeitraum Daten, statt täglich einen Sieger auszurufen.
6. Ergebnis dokumentieren und nächsten Test wählen
Halten Sie fest, welche Variante gewonnen hat, wie groß der Unterschied war und ob sich auch die Lead-Qualität verändert hat. Anschließend übernehmen Sie die bessere Version oder führen bei einem unklaren Ergebnis einen präziseren Folgetest durch.
Was tun bei wenig Website-Traffic?
Viele regionale Makler-Websites haben nicht genug Besucher, um ständig parallele Tests mit eindeutigen Ergebnissen durchzuführen. Das bedeutet nicht, dass Sie auf systematische Optimierung verzichten müssen. Sie sollten nur vorsichtiger interpretieren und größere statt kosmetischer Unterschiede testen.
Für kleinere Besucherzahlen bietet sich dieses Vorgehen an:
- priorisieren Sie Seiten mit dem meisten relevanten Traffic
- testen Sie deutlich unterschiedliche Nutzenargumente
- lassen Sie Tests über mehrere vollständige Wochen laufen
- vermeiden Sie Änderungen während des Testzeitraums
- ergänzen Sie Zahlen durch Rückmeldungen aus Kundengesprächen
- prüfen Sie neben Conversions auch die Qualität der Leads
Eine Alternative ist ein sauber dokumentierter Vorher-nachher-Vergleich. Dieser ist weniger belastbar als ein paralleler A/B-Test, kann aber bei stabilen Besucherquellen wertvolle Hinweise liefern. Kennzeichnen Sie das Resultat intern als Tendenz und nicht als endgültigen Beweis.
Häufige Fehler bei A/B-Tests für Makler-Websites
Die Methode wirkt einfach, verliert aber durch unklare Durchführung schnell an Aussagekraft. Besonders problematisch sind Tests, bei denen gleichzeitig Kampagnen, Zielgruppen und Website-Inhalte verändert werden.
Vermeiden Sie vor allem diese Fehler:
- Zu viele Änderungen: Variante B ist ein vollständiger Relaunch und erlaubt keine eindeutige Schlussfolgerung.
- Unklares Ziel: Klicks werden verbessert, obwohl abgeschlossene Verkäuferkontakte entscheidend wären.
- Zu kurze Laufzeit: Ein zufälliger Tagesvorsprung wird vorschnell als Erfolg gewertet.
- Unfaire Zeiträume: Ferien, Feiertage oder neue Werbekampagnen verzerren den Vergleich.
- Nur Desktop geprüft: Mobile Darstellungsprobleme bleiben unentdeckt.
- Lead-Qualität ignoriert: Mehr Kontakte werden automatisch mit besseren Ergebnissen gleichgesetzt.
- Tests ohne Dokumentation: Frühere Erkenntnisse gehen verloren und dieselben Ideen werden mehrfach geprüft.
Legen Sie am besten eine einfache Testliste an. Darin reichen Testdatum, Hypothese, Varianten, Hauptkennzahl, Ergebnis und nächste Entscheidung aus.
Ein sinnvoller erster Test für Ihre Bewertungsseite
Wenn Sie bislang noch nicht getestet haben, beginnen Sie mit einem überschaubaren Experiment. Wählen Sie Ihre meistbesuchte Bewertungsseite und vergleichen Sie die vorhandene Überschrift mit einer Variante, die Nutzen, Region und unverbindlichen Einstieg präziser formuliert.
Lassen Sie alle anderen Elemente unverändert und messen Sie zunächst die Start- sowie Abschlussquote. Prüfen Sie anschließend, ob die gewonnenen Kontakte zu Ihrem Vertriebsgebiet passen und tatsächlich erreichbar sind.
Ihr erster Testplan kann so aussehen:
- Ziel: mehr vollständig abgeschlossene Bewertungen
- Hypothese: ein konkreter regionaler Nutzen erhöht die Relevanz
- Variante A: bisherige allgemeine Überschrift
- Variante B: konkrete Werteinschätzung mit regionalem Bezug
- Hauptkennzahl: abgeschlossene Bewertungen pro Seitenbesuch
- Zusatzkennzahl: Anteil qualifizierter und erreichbarer Verkäufer-Leads
- Entscheidung: Gewinner übernehmen oder Hypothese überarbeiten
A/B-Tests ersetzen dabei keine solide Website-Grundlage. Wenn Seiten langsam laden, der Bewertungsprozess nicht verständlich ist oder wichtige Vertrauensinformationen fehlen, sollten Sie diese grundlegenden Probleme zuerst beheben.
Häufige Fragen zu A/B-Tests für Makler-Websites
A/B-Tests müssen weder kompliziert noch dauerhaft aktiv sein. Entscheidend sind ein klarer Testgegenstand, eine passende Kennzahl und eine disziplinierte Auswertung.
Wie lange sollte mein A/B-Test laufen? Das hängt vor allem von Besucherzahl und Conversion-Anzahl ab. Planen Sie mindestens mehrere vollständige Wochen ein und vermeiden Sie Entscheidungen nach einzelnen Tagen.
Kann ich mehrere Elemente gleichzeitig testen? Technisch ist das möglich, für den Einstieg aber nicht empfehlenswert. Wenn Sie Überschrift, Bild und Call-to-Action gleichzeitig ändern, können Sie den Effekt keinem einzelnen Element sicher zuordnen.
Welche Kennzahl ist für mich als Makler am wichtigsten? Die abgeschlossene Kontaktanfrage ist meist wichtiger als ein Klick. Langfristig sollten Sie zusätzlich messen, wie viele Kontakte qualifiziert sind und zu Gesprächen oder Makleraufträgen führen.
Lohnen sich A/B-Tests auch bei wenig Besuchern? Ja, wenn Sie größere Unterschiede testen, längere Zeiträume wählen und Ergebnisse als Tendenzen interpretieren. Bei sehr wenig Traffic kann ein dokumentierter Vorher-nachher-Vergleich praktikabler sein.
Sollte ich zuerst die Start- oder die Abschlussquote optimieren? Prüfen Sie den größten Engpass. Starten viele Besucher, schließen aber wenige ab, liegt das Potenzial eher im Prozess; beginnen nur wenige, sollten Sie zunächst Nutzenversprechen und Einstieg untersuchen.
Fazit: Website-Optimierung wird zum nachvollziehbaren Prozess
A/B-Tests helfen Ihnen, die Makler-Website nicht nach persönlichem Geschmack, sondern anhand realer Entscheidungen von Eigentümern weiterzuentwickeln. Beginnen Sie mit einem klaren Ziel, verändern Sie nur einen wesentlichen Faktor und betrachten Sie neben der Conversion immer auch die Qualität Ihrer Verkäufer-Leads.
Sie benötigen dafür keine endlose Testserie. Bereits ein sauber geplanter Test pro Monat kann wertvolle Erkenntnisse liefern und verhindert, dass erfolgreiche Website-Elemente versehentlich durch bloße Vermutungen ersetzt werden.
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